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Zwischen Trägheit und Regularien: das Digitalisierungs-Dilemma

von: Benjamin Buhl Datum: am 22.11.2012
Das Web 2.0 und das Social Web haben die Bedeutung des Internets für den Tourismus auf eine neue Evolutionsebene gehoben. Hierauf muss auch seitens der Politik reagiert werden, um gerade im öffentlichen Tourismus der Digitalisierung nicht länger nur hinterher zu rennen.

Der Deutsche Bundestag hat im Ausschuss für Tourismus kürzlich ein Expertengespräch durchgeführt, bei dem ich als Sachverständiger geladen wurde. Unsere Stellungnahme (aus DMO-Sicht) auf die Fragestellung

"Wie die Digitalisierung die touristische Wirtschaft verändert"

möchten wir gerne als "Onepager" zur Verfügung stellen:

Situation

Das Social Web hat das Kommunikations- und Buchungsverhalten grundlegend verändert. Die Tourismuswirtschaft steht vor dem Hintergrund der digitalen Evolution vor völlig neuen Herausforderungen:

Problem

Die Digitalisierung bietet große Chancen für den (öffentlichen) Tourismus, sich effizient und nachhaltig zu positionieren und das eigene Rollenverständnis neu zu definieren.

Ausgebremst wird dieser Wandel vor allem durch die politischen und administrativen Rahmenbedingungen:

  • digitale Tools und Plattformen, die in den Unternehmen für viel Geld eingeführt wurden, können nur unzureichend bedient und ausgeschöpft werden - häufig wegen mangelnder qualitativer und quantitativer personeller Ressourcen
  • die Geschwindigkeit der vorherrschenden Strukturen in der Tourismuswirtschaft, können mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung nicht mithalten
  • vor allem öffentlichen Betrieben fehlt es an Agilität, Schnelligkeit und Knowhow-Dichte
  • Tourismus als Branche (Wirtschaftsfaktor: 278,3 Milliarden Umsatz; 2,9 Millionen Arbeitsplätze) wird in der Bevölkerung weder als innovativ noch zukunftsorientiert wahrgenommen. Das erklärt unter anderem den aktuellen Fachkräftemangel und die hohe Fluktuation in den Führungspositionen.
  • das klassische Rollen- und Funktionsverständnis der DMOs ist überholt

Lösung

Es ist in erster Linie eine Sache der Haltung und Einstellung, aus den Fremdenverkehrsbetrieben agil und wirtschaftlich handelnde Destinations-Management-Organisationen zu machen. Das Verständnis für die Herausforderungen der Digitalisierung ist jedoch in den Denkstrukturen der kommunalen Entscheider noch nicht ausreichend vorhanden. Um dem "Geschwindigkeitsdilemma" wirksam begegnen zu können, ist:

Was sonst noch wichtig ist

Neben diesem Dilemma wurden in Berlin auch die Themen Verbraucherschutz sowie im speziellen Soziale Netzwerke und Buchungsplattformen diskutiert - mit allem, was dazu gehört: Man muss den Verbraucher viel mehr schützen, tendenziell wartet hinter jeder Website-Ecke ein Mafiosi und überhaupt ist weder den Anbietern zu trauen, noch anderen Usern, wenn diese falsche Bewertungen schreiben... Wissen Sie, was die Hauptherausforderung für die Tourismuspolitik ist?

Dass wir uns weder nachfrage- noch verhaltensorientiert an die Aufgaben der Gesetzgebung heranmachen, sondern stets versuchen alles zu regulieren und vor allem Verbote aussprechen.

Im heutigen, globalen Wettbewerb müssen wir aufhören, ein Kirchturmdenken an den Tag zu legen, als gäbe es kein Internet außerhalb des eigenen Landes. Die Politik hat Bewertungssysteme nicht zu beeinflussen, dafür gibt es die Intelligenz der Masse und vor allem Technik. Wir brauchen auch keine "staatliche Buchungsplattform" in Zeiten sich verkürzender Wertschöpfungsstufen. Und vor allem brauchen wir keine Unsummen an Förderungen, die in Vergangenheitsprojekte und Maßnahmen gesteckt werden, die sich null am Markt orientieren.

Geld ist nicht die alleinige Lösung, um die Trägheit unserer Branche zu beflügeln. Was wir brauchen ist innovationsgetriebe Unterstützung für kundenorientierte Prozesse - egal ob im Web oder offline. Unterstützung in Form von KnowHow, agiler Administration und dann erst Kapital. Hinterfragen wir also erstmal, warum wir etwas tun - und dann erst "was" und "wie". Nur so lässt sich das Dilemma zwischen der Geschwindigkeit der Digitalisierung und der Geschwindigkeit der Tourismuswirtschaft angehen.



Über den Autor

Benjamin Buhl

ist geschäftsführender Gesellschafter der netzvitamine GmbH. Seine Beratungs-Schwerpunkte sind die erfolgsorientierte Konzeption digitaler Prozesse und Projekte, die Optimierung im eCommerce sowie das Online Reputation Management.

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