Vom Team Spirit zur Tourismus-Gesinnung

von: Konstantin Andreas Feustel Datum: am 30.05.2012
Beim DestinationCamp 2012 in Hamburg gab es "Team Spirit" nicht nur zu trinken, sondern auch zu spüren. Die umfassende Werkschau "Mut zum Tourismus" mit dem destillierten KnowHow, dem Erfahrungsschatz und den Ideen von mehr als 100 Touristikern ist bereits im Umlauf. Was kann und muss daraus entstehen? Ein neues Bewusstsein nicht nur in der Branche, sondern in der Breite!

Was göönd mi d Gescht aa?

Langsam aber sicher wird der Tourismus als Wirtschaftsfaktor ernst genommen. Wir sind aber noch lange nicht in den Köpfen der Einheimischen angekommen, Touristen sind noch lange nicht überall Gäste, die wirtschaftliche Bedeutung wird oft noch unterschätzt oder herunter gespielt. Beim DestinationCamp war es unterschwellig in fast allen Tracks von der Marke über die Customer Journey im Tourismus bis zur Produktentwicklung zu spüren: Wir brauchen eine Tourismus-Gesinnung, eine Gastgeber-Kultur, die in der Breite verankert ist.

Manchmal muss man auch schockieren, um Augen zu öffnen und Bewusstsein zu schaffen. Erreicht haben dies die Kleinwalsertaler Dialoge Ende März, die unter eben diesem Themen-Spannungsbogen Tourismus-Verdrossenheit und Tourismus-Gesinnung standen. Die Walser Raiffeisen Holding, die die Dialog-Reihe seit vielen Jahren veranstaltet, hat auch eigens einen Film mit dem bezeichnenden Titel "Was göönd mi d Gescht aa?" (Was gehen mich die Gäste an?) produzieren lassen. In Form einer fiktiven Dokumentation blickt er aus der Zukunft in einem nicht näher benannten Alpental zurück in das Jahr 2012 – als noch alles gut war, als noch Gäste zu Hauf kamen, Arbeit für die Einheimischen vorhanden war, als der Tourismus noch funktioniert hat und noch keine Tourismus-Verdrossenheit eingesetzt hatte. Irgendwann dazwischen war es allen zu viel, die Gäste gingen den Einheimischen auf die Nerven, waren nicht mehr willkommen, man wollte reduzieren an Service und Zeit, hat nicht mehr in Infrastruktur investiert und so Schritt für Schritt eine Entwicklung gegen den Tourismus in Gang gesetzt. Im Rückblick aus dem Jahr 2031 kommt die Trostlosigkeit und Verbitterung zum Ausdruck, damals die falschen Weichen gestellt zu haben.

Der Film wurde natürlich auch nicht ganz ohne "Eigennutz" produziert. In den Monaten zuvor waren die geplanten umfangreichen Investitionen der örtlichen Bergbahnen einer der größten Diskussionspunkte im Kleinwalsertal (und sie sind es teilweise nach wie vor). Entzündet haben sich die Gemüter an einer neuen Panorama-Bahn, die künftig zwei Gebiete verbinden soll. Die Walser Raiffeisen Holding, selbst Gesellschafter der Bahnen, wollte mit dem Film sicherlich auch mit Blick in die Zukunft mahnen, Stellung beziehen und gezielt Fragen im Tal aufwerfen. Gut so - und mutig. Für eine Bank.

Ich habe den Film nun schon oft gesehen und doch läuft es mir jedes Mal wieder kalt den Rücken herunter. Vielleicht weil ich weiß, wie schmal der Grat an manchen Stellen zwischen Tourismus-Gesinnung und -Verdrossenheit ist. Vielleicht weil ich nur zu oft die eine oder andere Aussage aus dem Film "in freier Wildbahn" schon gehört habe...

Wir brauchen eine Tourismus-Gesinnung und Gastgeber-Kultur.

Mit dem gleichen Thema haben wir uns auch beim DestinationCamp in dem Track zur Produktentwicklung beschäftigt, den ich in diesem Jahr moderieren durfte. Kern dabei war die Erkenntnis, dass es für den Gast bei allen Bemühungen um das perfekte und innovative Produkt immer um Erlebnisse geht. Erlebnisse leben zwar einerseits von perfekten Produkten, andererseits gehört sehr viel mehr zum perfekten Erlebnis.

Ein Aufenthalt kann für einen Gast eben nur dann zu einem wirklichen Erlebnis werden, wenn er sich auch als Gast und nicht als Fremder fühlt. Wenn er "dazu gehört", willkommen und gerne gesehen ist. Und nicht nur wegen seines Geldbeutels, sondern weil man seine Anwesenheit ehrlich Wert schätzt. Als Bereicherung, von Innen heraus und natürlich auch als Wirtschaftsfaktor.

Aber warum findet man nur so selten eine wirklich in der Breite dem Tourismus zugewandte Gesinnung und eine Kultur der Gastgeberschaft? Warum beschweren sich der Bäcker und der Schreiner ernsthaft über einen von der Kommune erhobenen Fremdenverkehrsbeitrag, obwohl sicherlich mehr als jede zweite Semmel von Gästen verspeist und jedes zweite Bett für Gäste geschreinert wird. Und warum heißt es überhaupt noch "Fremdenverkehrsbeitrag" und nicht längst "Tourismusbeitrag"? Tourismus-Gesinnung und Gastgeber-Kultur beginnen schon bei den Kleinigkeiten, beim Wording, im Denken und in der Erziehung.

Tourismus findet für alle statt. Und alle sind Tourismus.

Es muss einmal deutlich die Frage gestellt werden, warum die vielen Nutznießer und Trittbrettfahrer in der Tourismus-Finanzierung nahezu nicht statt finden. Wo sind die Tankstellen, wenn es um Tourismus-Umlagen geht? Wo die Raststätten? Wo ist Sanifair? Wo bleibt der Kohlepfennig für den Tourismus? Schlussendlich ist es an uns Touristikern, voranzugehen und die Tourismus-Gesinnung und auch Gastgeber-Kultur nicht nur bei unseren touristischen Partnern, unseren Kollegen und Mitarbeitern, sondern eben auch bei den Einheimischen fest zu verankern. Gleichzeitig ist es an uns, klare und selbstbewusste Forderungen an die Politik zu stellen, aus einem Mund zu sprechen, sich aber auch nicht vereinnahmen zu lassen. Wir sind Wirtschaftsfaktor... und das soll gefälligst auch so bleiben! 

 
Der Team Spirit lebt weiter:
Die umfassende Werkschau "Mut zum Tourismus – wir sind Wirtschaftsfaktor!" dokumentiert die zweieinhalb Tage des DestinationCamp 2012. Für Teilnehmer kostenlos, für alle Interessierten hier zu bestellen. Und gleich das DestinationCamp 2013 vormerken - vom 26. bis 28. April 2013 in Hamburg.

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Werkschau DestinationCamp 2012: je 25,- Euro brutto

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Über den Autor

Konstantin Andreas Feustel

beschäftigt sich seit Jahren mit der Ideengebung, Konzeption, Kalkulation, Einführung und Vermarktung sowie dem Betrieb und der konsequenten Weiterentwicklung solcher touristischer Mehrwert-Lösungen. Mit Oberstaufen PLUS, Bad Hindelang PLUS und Hochschwarzwald Card ist er verantwortlich für die Benchmark-Produkte im deutschsprachigen Raum.

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