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Ultimativ mobil: Per Anhalter durch die Galaxis

von: Oliver Puhe Datum: am 30.08.2012
Den ultimativen mobilen Reiseführer visionierte der Autor Douglas Adams schon vor mehr als 30 Jahren in seinen Science-Fiction Romanen. Der unglaublich schlaue und technologisch ausgereifte Reiseführer versorgt dabei den unbeholfenen Hauptdarsteller Arthur Dent während seiner galaktischen Reise durch das Universum jederzeit in jeder Lebenslage mit kontextbezogenen relevanten Informationen rund um seine im Moment entscheidenden Bedürfnisse und Fragen. Der technischen und technologischen exponentiellen Entwicklung unserer Zeit geschuldet, wird dieser allwissende mobile Reiseguide nun sukzessiv Realität.

In vielen der etwas lässigeren Zivilisationen am äußersten Ostrand der Galaxis hat der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" die große Encyclopaedia Galactica als Standard-Nachschlagewerk für alle Kenntnisse und Weisheiten inzwischen längst abgelöst. Denn obwohl er viele Lücken hat und viele Dinge enthält, die sehr zweifelhaft oder zumindest wahnsinnig ungenau sind, ist er dem älteren, viel langatmigeren Werk in zweierlei Hinsicht überlegen. Erstens ist er ein bisschen billiger, und zweitens stehen auf seinem Umschlag in großen, freundlichen Buchstaben die Worte KEINE PANIK.

[Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis, Prolog, Übersetzung nach Benjamin Schwarz]

Welche Anwendungen wären schon heute möglich und welche in naher Zukunft?

Mobile Computer haben wir schon (fast) alle in der Hosentasche (siehe dazu auch den Beitrag Auf dem Datenhighway zum Reisegefährten ), aber diese werden technisch gesehen immer kleiner, so dass sie bald nicht mehr sichtbar sind. Smartphones werden so zu Kommunikatoren. Zudem dringen sie schon heute in Form von Chips oder Microcomputer in unsere Umgebung und in medizinischen Fällen auch unter die Haut. Im Hinblick auf den gesundheitlichen Präventivgedanken unserer Zeit verstärkt sich diese Entwicklung und Körperwerte können durch Chips jederzeit in Echtzeit gemessen und analysiert werden. So entsteht ein ubiquitärer Gesundheitsassistent, der auch ungefragt Ratschläge gibt, mich zum Sport zwingt, meinen Arzt informiert oder auch meine nächste Reisedestination anhand meiner Daten auswählt, die er von mir den ganzen Tag sammelt und dann semantisch gefiltert aufbereitet. Ein Feierabend kann technisch gesehen heute schon so aussehen wie im Clip.

Das Gerät des ultimativen Reiseführers haben wir in Form unserer unzähligen Tablets, Ultrabooks und Smartphones tagtäglich bei uns. 24 Stunden! In unserer Science-Fiction Vorlage von Douglas Adams sieht der Reiseguide nicht anders aus. Es ist ein buchähnliches, aber hyperdigitales Ding, welches in einer netten angenehmen Charakterstimme neustes Wissen über das Universum erzählt und auf Fragen intelligent antwortet. Und das klingt doch sehr verdächtig nach Siri oder den anderen Sprachassistenten bzw. Übersetzungsdiensten ( Babelfisch ), die die menschliche Stimme verstehen und in Sekunden relevante Antworten bzw. Übersetzungen generieren und mit einer adäquaten stimmlichen Leistung wiedergeben.

Screenshot © 2015 Wikitude GmbH
Screenshot © 2015 Wikitude GmbH

Eine weitere technologische Manifestation ist Augmented Reality (AR), eine Kombination aus diversen Technologien, mit denen die reale Umgebung mittels Überlagerung oder Einblendung durch virtuelle Objekte und Informationen angereichert wird. So wird in Echtzeit die reale Welt mit Internetdaten verknüpft und über eine singuläre App oder einen AR-Browser auf dem mobilen Endgerät (Smartphone, Tablet oder Datenbrille) dargestellt. So finden Augmented-Reality-Anwendungen derzeit am Point of Sale, in Printprodukten, in Marketingkonzepten oder im Tourismus statt. Das Internet legt sich mit seinen Informationen und Daten wie eine zusätzliche Schicht auf unsere Umwelt und wird zum Outernet. So wird unsere Welt zum Hyperlink. Dinge haben ihre eigene IP-Adresse und tragen Informationen in sich, die der ultimative Reiseguide für uns semantisch filtert, sowie im Ansatz heute zum Beispiel schon Wikitude und TripAdvisor.

Durch Near Field Communication gelangen wir an Informationen in unserer direkten Umgebung. So beginnt das Web of things seinen Einzug heute in unser Leben durch QR-Codes oder auch RFID-Chips welche in unzähligen Produkten und Dingen verbaut werden, wie zum Beispiel in Skipässen am Beispiel von Epic Mix

Smarte Prognostik und semantische Informationsverarbeitung ermöglicht uns aus all unseren persönlichen Daten relevante Informationen zu erhalten. Heute erleben wir durch die weltweite Thematisierung von Big Data schon einen erheblichen Umsetzungsdrang.

Durch Business Intelligence Tools und Social CRM werden unsere gesamten Daten semantisch analysiert, um unser Verhalten vorherzusagen. So weiß meine Airline, mein Reisebüro oder meine Kreditkarte schon vor mir, welche Bedürfnisse ich haben werden könnte (Futur III). Im MIT haben sie dazu ein sehr interessantes Projekt, bei dem sämtliche Informationen über Bewegungen, Kommunikation und Anwendungen zu einer einzelnen Datenbasis zusammengetragen werden kann, aus denen sich Prognosen und Trends für Individuen oder ganze Regionen ermitteln lassen könnten. Menschliches Verhalten soll so besser verständlich werden und die Daten sollen zur Anpassung von Anwendungen an die Bedürfnisse der Nutzer genutzt werden können: www.behav.io. Im touristischen Kontext glänzt hier Add to trip aus Kalifornien.

Weitere Entwicklungen & Anwendungen, die im Universum von Nutzen sein können:

Es ist durchaus möglich, dass Schweine fliegen werden, oder dass jeder glücklich bis an sein Ende lebt. In einem unendlichen Universum ist alles möglich - sogar der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis".

[Hitchhiker – Douglas Adams - Radio Scripts (Part 11)]
Oder wie ich es sagen würde:

Was mich in meiner Arbeit als Trend- und Zukunftsforscher immer wieder fasziniert ist paradoxerweise die Gegenwart und die sich daraus entwickelnden Möglichkeiten zu reisen.



Über den Autor

Oliver Puhe

ist touristischer Innovationsberater und Trendforscher. Er studierte "Internationales Tourismus-Management" in Bremen, San Sebastian und Valencia. In seiner Diplomarbeit widmete er sich dem Thema "Faires Reisen und Travel 2.0" und analysierte nachhaltige Tourismustheorien und die Konsequenzen des Web 2.0 auf die Reisebranche und das Reiseverhalten.

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