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Parallax Scrolling – kurzer Trend oder zukunftsfähige Lösung?

von: Ilka Leutritz Datum: am 17.06.2013
In den 80er Jahren bereits in Computerspielen eingesetzt, schaffte Parallax Scrolling erst 2011 mit Nike den Sprung zu den Webdesign-Trends. Nach wie vor ist die Technik auf vielen Websites zu finden - doch wirklich erfolgreich genutzt wird sie nur auf wenigen.

Schon als Kind konnte man bei Auto- oder Zugfahrten feststellen, dass sich nahe Objekte scheinbar sehr viel schneller an einem vorbeibewegen als weit entfernte Gebäude. Dieser optische Effekt wird auch in der Welt des Webdesigns genutzt: Beim Parallax Scrolling - der Nutzung von Bewegungsparallaxe - wird mit verschiedenen Ebenen gearbeitet, wobei sich die einzelnen Ebenen der Website beim Scrollen unterschiedlich schnell bewegen.

Dies vermittelt beim Betrachter den Eindruck von Tiefe und erzeugt Dynamik und Bewegung. Durch Animationen und Übergänge werden überraschende Momente auf der Website möglich. Der Nutzer kann die Inhalte interaktiv erleben und steuert die Geschwindigkeit dabei selbst.

Spannend, anders, fesselnd: Storytelling

Parallax Scrolling bietet interessante Möglichkeiten, Inhalte auf bislang immer noch eher ungewohnte Art zu vermitteln. Insbesondere im Bereich des Storytellings kann der Effekt genutzt werden, um neben einer spannenden Geschichte auch den passenden Content lebhaft zu vermitteln.

Screenshot © 2000-2015 NH Hotel Group
Screenshot © 2000-2015 NH Hotel Group

Der Scrolling-Effekt spielt hier eine bedeutende Rolle, die Informationen für die Nutzer interessanter darzustellen. Insbesondere bei Erklärungen kann er sinnvoll eingesetzt werden und diese auf merkenswerte Weise - nämlich genau so, dass der Nutzer sich die Inhalte merkt - visualisieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist die britische Seite Every Last Drop, die über den täglichen Wasserverbauch informiert.

Parallax Scrolling bringt auch dezent eingesetzt Bewegung in eine sonst starre Seite, ohne zu einer Überforderung des Users zu führen. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Winter-Kampagne von nh Hotels. Während die Hotelangebote wie Schneeflocken vom Himmel fallen, wird der Nutzer von den verschiedenen europäischen Destinationen inspiriert; ganz nach dem Prinzip "Scroll down to beat the winter".

Scrolling-Erlebnisse nutzen

Dass wir alle, was die Betrachtung von Websites angeht, eher faul geworden sind und bei vielen großen Playern gelernt haben, die relevanten Informationen immer direkt zu finden, führt dazu, dass wir unsere größte Aufmerksamkeit auf die Inhalte über dem Fold - also auf den bei Seitenaufruf direkt sichtbaren Bereich - legen.

Wird nicht direkt Interesse geweckt, suchen wir gar nicht erst nach weiteren Inhalten und verlassen die Seite oftmals umgehend. Parallax Scrolling kann genau hier eingesetzt werden, damit der Nutzer animiert wird, den sichtbaren Bereich über Scrollen zu erweitern und die gesamte Seite zu entdecken, wie es auf dieser Seite eingesetzt wurde.

Auch die Webdesigner von Tourism New Zealand haben mit ihrer ehemaligen Website auf beeindruckende Weise bewiesen, wie Parallax Scrolling genutzt werden kann, um Geschichten zu erzählen und den Nutzer auf eine eigene kleine Reise durch die gesamte Website mitzunehmen. Einen kleinen Eindruck davon bekommt man im eingebundenen Video.

Parallaxe Effekte im neuen iOS7

Auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC, am Montag vor einer Woche, wurde die neue Version des Betriebssystems iOS vorgestellt. Chefdesigner Jonathan Ive präsentierte hierbei nicht nur Veränderungen bezüglich eines sehr viel flacheren Designs, sondern auch die Integration von Tiefe und einem 3D-Effekt.

Durch die Verwendung unterschiedlicher Ebenen und visueller Layer, wie dem Hintergrund und den darüber liegenden Apps, wird ein parallaxer Effekt erzeugt. Bei Änderung des Haltewinkels des iPhones verschieben sich die Ebenen gegeneinander und es werden realistische Bewegungen visualisiert.

Wenn Apple - die als Vorreiter in Sachen Usability, Verbreitungsgrad und gelernten Nutzungsstandards angesehen werden können - nun bereits diesen Effekt in ihr neues Betriebssystem integrieren, sollten wir uns wohl Gedanken dazu machen, welche Learnings für Plattformen und Websites im Tourismus daraus resultieren können.

Fazit: Parallax Scrolling - das Nonplusultra?

Trends im Bereich des Web Designs sehen zwar im Allgemeinen super aus und begeistern durch besondere Effekte; gerade auf Grund dieser sind sie jedoch auch zumeist entsprechend rechenintensiv. Auch Parallax Scrolling erhöht die erforderliche Ladezeit und erfordert in der Implementierung einen Mehraufwand, damit die Seiten auch auf älteren Geräten und Browsern gut aussehen und problemlos geladen werden.

Zudem muss heute eine Website - um zeitgemäß zu sein - auf allen Endgeräten den gleichen beeindruckenden Effekt haben. Eine Kombination von Parallax Scrolling und Responsive Design ist zwar immer mehr auch durch Frameworks möglich, eine solch gestaltete Site bleibt jedoch in der Umsetzung aufwendiger.

Immer im Kopf behalten muss man bei der Nutzung von Parallax Scrolling, dass der Effekt nur eingesetzt werden sollte, wenn die Inhalte dadurch sinnvoll unterstützt werden. Zu viel Effekt kann kontraproduktiv wirken, indem der Nutzer vom eigentlichen Content abgelenkt wird. Dass dies dann auch richtig anstrengend - anstatt inspirierend - sein kann, beweist uns diese polnische Seite.

Emotionalisierendes, inspirierendes und auch spielerisches Design - Stichwort Gamification - kann durch Parallax Scrolling Websites zum echten Erlebnis machen und diese auch zukunftsweisend vorantreiben. Grundsätzlich gilt jedoch auch hier, dass man vor der Neugestaltung eine klare Zieldefinition vornehmen sollte und diese in der Umsetzung stets im Auge behalten muss. Nicht jeder Trend ist für jede Ziel- und Aufgabenstellung sinnvoll!



Über den Autor

Ilka Leutritz

ist Consultant bei der netzvitamine GmbH und schreibt u.a. den vierteljährlich erscheinenden #vitaminschub, der als kompakter Blogbeitrag die wichtigsten Infos und Hintergründe zu den Entwicklungen der digitalen Welt, dem eCommerce und dem Tourismus zusammenfasst. Als Lehrbeauftragte an der Dualen Hochschule in Ravensburg unterrichtet sie zudem den Kurs "eTourism".

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