Empfehlungen im Suchergebnis: der Google +1Button

von: Benjamin Buhl Datum: am 31.03.2011
Gestern hat Google seinen +1Button gelauncht – wenn auch vorerst nur auf google.com. Ein Like-Button für die Suche, könnte man sagen. Doch was steckt dahinter?

Die Idee ist wohl, dass jeder zukünftig Suchergebnisse, die er besonders nützlich findet “liken” kann und damit an seine Kontakte klare Empfehlungen gibt. Um +1′nen (über die Namensgebung lässt sich sicher streiten ;)) zu können ist jedoch Voraussetzung, dass man

  • ein öffentliches Google-Profil besitzt.
  • auf Google vernetzt ist (Adressbuch, Chat-Kontakte, Buzz-Verfolger, etc.).
  • die Seiten hinter den Suchergebnissen bereits kennt; denn sonst wird man diese wohl kaum bewerten.

Sollte diese “Hürde” geschafft sein, kann es losgehen – das sieht dann zum Beispiel so aus:

Screenshot © 2012 Google Inc.
Screenshot © 2012 Google Inc.

An sich also eine schon ziemlich gute Idee, um* aus der Suche heraus mehr Empfehlungen in die Suche hinein* zu bekommen – ein weiterer Schritt in Richtung “Social Search” also. Und so, wie Google dies angekündigt hat, sollen die +1′s auch mit Twitter & Co. kombiniert werden. Sollte es Google dann noch gelingen, mit Facebook zu kooperieren (oder andersrum), dann haben wir hier definitiv eine beachtenswerte Erweiterung des Social Graph. Doch mit welchen Auswirkungen?

  • klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) dient zwar – mit Sinn und Verstand eingesetzt – als Basis, reicht aber allein längst nicht mehr aus;
  • nur auf Facebook und Twitter zu setzen ist spätestens jetzt ein völlig falscher Ansatz;
  • reine “SEO-Texte” (also für den normalen Menschen komplett unlesbar, weil nur für die Maschine geschrieben) verlieren (zum Glück) Einiges an Bedeutung, denn unlesbare Metadescriptions werden sicher nicht +1′d;
  • eine breit aufgestellte Webpräsenz wird unter dem Gesichtspunkt des Zusammenspiels verschiedenster Share- und Like-Funktionen unabdingbar;
  • das Ranking wird immer mehr vom User für den User bestimmt – und wieder einmal geht es nur um Kommunikation: ich muss mit meinen (richtigen) Inhalten über die richtigen Leute in die richtigen Netzwerke kommen, um zukünftig gefunden zu werden;
  • und: auch Adwords (sowie zukünftig wohl auch YouTube-Videos, Picasa-Bilder. etc.) können +1′d werden – was wiederum bedeutet, dass auch auf Google die “Jahre der plumpen Werbung” gezählt sein dürften (spannend auch in Bezug auf Brand-Bidding).

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es Google mit o.g. Einstiegshürden überhaupt schaffen will, einen gewisse kritische Masse zu erreichen. Angekündigt wurde, dass es in Kürze den +1Button auch für die eigene Website geben wird; also auch hier eine Ergänzung zum “Gefällt mir-Button” mit sehr ähnlicher Funktionsweise. Stellt sich also die nächste Frage: Brauche ich wirklich beides? Ich denke -> Ja:

  • es sind nach wie vor um ein Vielfaches mehr User täglich auf Google als auf Facebook.
  • selbst wenn mehr User bei Facebook einen Account haben sollten, als bei Google, so relativiert sich die Zahl durch die Anzahl der täglichen Nutzer wieder. Und: selbst wenn nur 1% all meiner Stammgäste einen Google-Account haben, so hat dies eine nicht zu unterschätzende Wertigkeit wenn man bedenkt, wie schnell heute mal irgendwas “nebenbei geliked” wird – in diesem Fall werden halt die “vertrauten Seiten meines Urlaubsortes” mal schnell nebenbei +1′d.
  • Google verwendet geschickt gelernte Strukturen, die alle Facebook-Nutzer vom Like-Button längst kennen.

Was sicher ein – aus Kommunikationssicht nicht zu unterschätzender – Nachteil ist: Mit dem +1Button landet meine Empfehlung nicht auf Facebook; sie kann nicht weitergeliked werden; und vor allem kann sie nicht kommentiert werden. Aber, wie schon gesagt, sollte eine Google-Facebook-Kooperation doch noch kommen, so wird es auch dafür eine entsprechende Lösung geben. Ob dann jedoch beide Buttons auf meiner eigenen Website noch Sinn machen ist fraglich. Wahrscheinlich eher nicht. Der springende Punkt wird hier die gegenseitige Anreicherung sein: In Facebook geteilte Inhalte werden (wie jetzt schon bei Twitter, siehe Screenshot oben) bei vernetzten Usern ein besseres Ranking haben und dann durch einfaches +1′nen zusätzliche Wertigkeit bekommen; gleichzeitig aber auch eine weitere Verbreitung in den Netzen meiner Netze.

Fazit:

Google wird seinem Slogan “das Leben ist eine Suche” selbst wieder ein wenig getreu, auf der Suche nach der entscheidenden Entwicklung im sozialen Bereich. Imho jedoch ist der +1Button schon ein anderes Kaliber, als es Wave oder Buzz werden sollten – gerade in Bezug auf die Social Search. +1 sollte nicht leichtfertig unter den Tisch gekehrt werden; weil es eben durch gelernte Strukturen wie ein einfaches Liken durchaus eine Relevanz bekommen wird. Auch vor dem Hintergrund, welche Plattformen ich heute alle mit meinem Google-Profil verknüpfen kann (Googlemail, YouTube, Flickr, Panoramio, etc.), ist die Zahl der angelegten Accounts bei weitem nicht so gering, wie manch einer vermutet; das Google Profil ist nur nicht so bewusst wie ein Facebook-Account, weil es vielmehr bei vielen einfach “nebenher” läuft, als wirklich aktiv und regelmäßig genutzt wird. Der +1Button wird also (u.a. wie Places) eine neue Form der Suchmaschinenoptimierung sein – und zwar nicht durch viele Links und Texte für Maschinen (manche Touristiker hoffen scheinbar nach wie vor, dass DER Google mal bei ihnen Urlaub machen wird), sondern durch den “Faktor Mensch” – was für meine Begriffe sehr charmant und vor allem interessant wird: SERPs will become human.

UPDATE [01.06.2011]:

Heute kam die Info, dass +1 nun für alle Websites verfügbar ist und eingebunden werden kann; Infos dazu im GoogleWatchBlog .



Über den Autor

Benjamin Buhl

ist geschäftsführender Gesellschafter der netzvitamine GmbH. Seine Beratungs-Schwerpunkte sind die erfolgsorientierte Konzeption digitaler Prozesse und Projekte, die Optimierung im eCommerce sowie das Online Reputation Management.

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