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Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem

von: Benjamin Buhl Datum: am 16.04.2011
Oder: wie das Web touristische Aufgaben verändert. - Vergangene Woche fand in Berlin bereits zum fünften Mal die re:publica statt – ich würde behaupten, die inzwischen wahrscheinlich bedeutenste Konferenz für digitale Medien. Auf jeden Fall ein großes “Familientreffen” mit der Creme de lá Creme der deutschen Bloggerszene und damit schon beeindruckend!

Bestimmt steht deshalb bei vielen auch vielmehr der Austausch im Mittelpunkt, als die Vorträge selbst; doch es gibt Redner, die muss man einfach gesehen haben. Einer davon ist Gunter Dueck mit seinem humorvollen und doch sehr tiefgreifenden Beitrag “Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem”.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was das mit Tourismus und damit mit diesem Blog zu tun hat. Ich möchte einen Satz von Gunter Dueck aufgreifen: "Wir müssen zukünftig mehr können, als das was im Internet eh steht" – genau damit trifft er voll in die aktuell immer wieder aufkommende Diskussion, ob manche touristischen Betriebe wie beispielsweise Reisebüros und DMOs (Destination Management Organisations) langfristig überhaupt noch eine Berechtigung haben. Um die (meinige) Antwort vorweg zu nehmen: ja! Und zwar dann, wenn sie eben das beherzigen, was Dueck mit dem Aufgreifen der X-Y-Theorie nach McGregor sehr gut auf den Punkt bringt. Wir benötigen mehr “Professionals” in den touristischen Unternehmen. Und die haben wir dort doch überwiegend eh schon:

  • in den Tourist-Infos die Spezialisten für die Region, die nahezu jeden Winkel und seine Gegebenheiten im aktuellen Zeitbezug kennen.
  • in den Reisebüros die Profis für umfassende Pauschal- und Spezialreisen, mit allen kniffligen Details, die dahinterstecken.

“Die” sind schon da, doch in vielen Betrieben wird immer noch mehr darüber diskutiert, was das Internet alles böses mit sich bringen könnte, anstatt jetzt schon eben diese Spezialisten zu nutzen, um weitere Spezialisten auszubilden die genau das tun, was das Internet so schnell nicht abbilden kann und wird. Spezialisten in Form von Reiseprofis “schaffen” und einzusetzen, um eben das tun was das Internet bisher nicht tut: all die Daten und Informationen in einen strukturell sinnvollen Bezug zu bringen; zu denken und nicht nur zu rechnen.

Tatsächlich benötigen wir zukünftig in ganz vielen Bereichen mehr Manager (so befremdlich dieses Wort klingen mag). Manager für all die Daten auf der einen – für teilbare Emotionen durch Erlebnisse auf der anderen Seite. Inspiratoren, Dienstleister und Querdenker müssen gefördert werden, keine Fließbandarbeiter, die sich an Geschäftszeiten halten. Denn “Geschäft” bedeutet im Tourismus Montag bis Sonntag, 0 bis 24 Uhr.

Dinge, die wir schon immer gemacht haben finden zukünftig eben online statt. Die Tourist-Info wandert in die Hosentasche – immer und überall an der Seite des Gastes. Diese Entwicklung kann man gut finden oder nicht, doch letztendlich werden nur die Unternehmen zukünftig eine Berechtigung haben, die diesen Schritt mitgehen und das Internet als Betriebssystem anerkennen. Die lernen zu managen und Tourismus zu leben, nicht zu machen; denn es gibt wahrscheinlich keine andere Branche, in der Menschen und Emotionen (= social!) eine so große Rolle spielen wie bei “der schönsten Zeit des Jahres”. Und das verbindet Urlaub mit dem Internet heute stärker denn je – Flexibilität ist das Stichwort; Flexibilität in den Arbeitszeiten, den Strukturen und dem Denken. Prozesse statt Projekte, oder haben Sie das Internet schonmal schlafen gesehen?



Über den Autor

Benjamin Buhl

ist geschäftsführender Gesellschafter der netzvitamine GmbH. Seine Beratungs-Schwerpunkte sind die erfolgsorientierte Konzeption digitaler Prozesse und Projekte, die Optimierung im eCommerce sowie das Online Reputation Management.

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