Context is King Kong - wie Beziehungen das Webdesign beeinflussen

von: Benjamin Buhl Datum: am 22.03.2012
Seit Jahren können wir auf zahlreichen Kongressen und Branchenveranstaltungen immer wieder den Satz "Content is King" hören. Oder in einem der vielen SEO-Blogs lesen. Ich bin es leid dagegen zu halten und die Inhalte als "Basis", "Fundament" oder das "Gesinde" zu bezeichnen.
Content is King? © netzvitamine GmbH
Content is King? © netzvitamine GmbH

Gehen wir also davon aus, dass Content (alle Inhalte wie Text, Bild, Video - aus eigener Redaktion ebenso wie von Gästen/Kunden generiert) der König ist. Dann müssen die Zusammenhänge (der Kontext) aber mindestens King Kong sein.

Warum? Weil Inhalte allein wertlos sind. Content für sich - abgeschirmt jeglichen Zusammenhangs und weit weg von irgendeiner Nutzersituation können gar nie auch nur annähernd eine Relevanz erlangen. Die passende Einordnung, die sozialen Bedürfnisse von Content-Konsumenten (Lesern/Usern) und die Zusammenhänge zu anderen, weiterführenden Inhalten fehlen. Stellen Sie sich vor, das Web wäre nur eine einzige Seite mit einem Text über die Erfindung der Windmühle. Nur Text, sonst nichts. Kein Link, kein Bild, keine Handlungsmöglichkeit oder Kontaktdaten - nichts. Hätten Sie noch Lust "ins Internet" zu gehen?

Erfolgsfaktor No.1: Beziehungen

Web-Dreiklang © netzvitamine GmbH
Web-Dreiklang © netzvitamine GmbH

Damit dieses Web also so ist, wie wir es kennen und wie wir größtenteils Spaß dran haben, müssen Zusammenhänge hergestellt und abgebildet werden. Die Beziehung also

  • von Inhalten zueinander
  • von Usern zueinander
  • von Usern zur Marke

Nur wenn wir diese drei Formen des Kontext beherzigen, können wir im Web erfolgreich sein und unsere Unternehmensziele auch online erreichen. Und um es vorweg zu nehmen: ich habe in der Aufzählung absichtlich auf "Beziehung von Inhalten zur Suchmaschine" verzichtet. Oder glauben Sie, dass irgendwann "Herr Google" bei Ihnen vor Tür steht und Ihre Produkte kauft, Ihre Betten füllt und Sie weiterempfiehlt, wenn die Leistung stimmt?

Entscheidend ist also, dass die Unternehmen die Zusammenhänge verstehen und ihre Handlungen von Anfang an auf die verschiedenen Nutzersituationen abstimmen. Der Begriff "Content Management" bekommt dann gleich eine ganz andere Bedeutung: es geht zukünftig wirklich um richtiges Management von Inhalten - nicht um die einfache Produktion von Texten, die nur so von Keywords strotzen, dass selbst Google schwindelig werden dürfte...

Es beginnt beim Webdesign

Screenshot © bremen.online
Screenshot © bremen.online

Die schönsten Bilder und Videos, ja sogar die emotionalsten Texte nützen nichts, wenn sie nicht so abgebildet werden können, dass unser User und potenzieller Kunde auch Spaß dran hat und ganz schnell "mehr" möchte. Der Joy of Use ist es, der unsere Websitebesucher animiert weiter zu klicken und "mehr" zu wollen. Heißt: erst Form, dann Inhalte. Und beides immer vor dem Hintergrund der Zieldefinition, die vor jeglicher Konzeption und Strategieentwicklung steht.

Inhalte zu produzieren ist nicht die Kunst. Auch "Unique Content" nicht! Wenn die verantwortlichen Online-Redakteure aufhören in Verkaufsblabla zu schreiben und anfangen Geschichten zu erzählen, dann ist es zum Unique Content auch nicht mehr weit. So unique, dass es Spaß macht zu lesen, aufzusaugen... und dann auch zu teilen (gefällt mir, +1 etc.). Und dann klappt es auch zukünftig mit (social) SEO.

Orientierung an der Customer Journey

Steht die Zieldefinition und die Strategie, ist der Seitenaufbau (die Form/das Webdesign) die logische Konsequenz, aus der sich wiederum die Art und der Stil der Inhalte ergeben. Und zwar immer vor dem Hintergrund der aktuellen Nutzersituation innerhalb der Customer Journey:

  • welche Inhalte sollen an welchem Touchpoint der "Reise unseres Kunden durch die digitalen Welten" ausgespielt werden?
  • was erwartet der User wann und wo von mir als Marke/Unternehmen?
  • wie sieht der Mix aus Text, Bild, Video und UGC (User Generated Content) aus?
  • welche wichtigen Elemente werden jeder Zeit benötigt (Navigation, Quicksearch etc.)?
  • welches Endgerät nutzt der User an welchem Touchpoint und mit welcher Erwartung (Inspiration und Gamification auf dem iPad; Kommunikation und Information stationär; Service auf dem iPhone)?
  • ...

Immer und jederzeit - und sei es nur "der schnelle Facebook-Post" oder "die kleine Kampagnen-Microsite" - sollten Sie sich als Unternehmen im Webdesign und Content Management diese Fragen vor Augen halten und Ihre Handlungen zielorientiert zuordnen.

Konsequenz

Bad Hindelang Mega Dropdown und sticky Navigation © Bad Hindelang Tourismus
Bad Hindelang Mega Dropdown und sticky Navigation © Bad Hindelang Tourismus

Ich höre schon wieder die Aufschreie: "Was soll ich denn noch alles machen?" - "Wir sind doch schon auf Facebook, jetzt sollen wir auch noch das Webdesign auf die Customer Journey auslegen?" - "Wir sind schon froh, wenn wir unsere Veranstaltungen regelmäßig aktualisieren können und Sie sprechen von User Enhanced Content!?!"

Ich kann Sie ein bisschen beruhigen; Sie müssen nicht überall dabei sein und alles mitmachen oder auf jeden Hype aufspringen. Aber die Dinge, die Sie machen sollten Sie richtig machen - z.B.:

  • pflegen und managen Sie Ihre bestehenden Profile und Auftritte vollständig und zielorientiert, bevor Sie was neues anfangen
  • lieber eine sinnvolle, mehrwertstiftende mobile Website anstatt einer 0-8-15-App
  • bei kleineren Websites (z.B. Kampagnen-Microsites) auf responsive Webdesign setzen (Inhalte passen sich automatisch dem jeweiligen Endgerät an; der Pflegeaufwand entsteht nur einmal)
  • "Stand on the Shoulders of Giants": setzen Sie auf die Big Player und versuchen Sie nicht alles selbst abzubilden/nachzubauen (Service vor Ort: Google Places; Kommunikation: Facebook und Twitter; effizienter Austausch mit persönlichem Touch: Google Hangout etc.)
  • überprüfen Sie immer wieder Ihre Ziele und ob Ihr aktuelles Handeln darauf einzahlt und an der Customer Journey orientiert
  • vergessen Sie den Offline-Bereich nicht: Erlebnisse vor Ort werden schnell und gerne geteilt; haben Sie richtige Angebote, die es wert sind zu teilen?

Diese Aufzählung kann natürlich noch deutlich weitergehen - sollte als Beispiele aber erstmal genügen.

Aktuelle Beispiele

Um abschließend nochmals auf das Kernthema zurück zu kommen, habe ich ein paar aktuelle Beispiele für zeitgemäßes Webdesign zusammengestellt:

  • Bad Hindelang (Bildergalerien mit iPad-Wischmöglichkeit; sticky Mega-DropDown-Navigation)
  • Winterberg (Bildredaktion; Kartennavigation)
  • Bremer Touristik Zentrale (Inspiration und Gamification-Ansatz über "Bremen-Welt)
  • Oberstaufen (mobile Website mit aktuellen Öffnungszeiten, Routenplaner etc.)
  • PocketVillage (Inspirationstool)
  • Toronto (Navigation und Aufbau allgemein)
  • Up on a hill (Beziehung von Texten zu Bildern; Scrolleffekt)
  • Weingut Leitz (alle Inhalte auf einer einzigen Seite)
  • ... diese neue netzvitamine.de auf der Sie gerade lesen (responsive Webdesign) ;)


Über den Autor

Benjamin Buhl

ist geschäftsführender Gesellschafter der netzvitamine GmbH. Seine Beratungs-Schwerpunkte sind die erfolgsorientierte Konzeption digitaler Prozesse und Projekte, die Optimierung im eCommerce sowie das Online Reputation Management.

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