Warum Hosentaschenmarketing viel mehr als ne App ist


Anfang der Woche kam auf Facebook folgende Frage auf: Welche Aktivitäten von Destinationen sollten denn bei einer Arbeit über mobile Marketing im Destinationsmarketing unbedingt erwähnt werden?? bezieht sich ja hauptsächlich auf App’s, oder??


Kurz zuvor hat Hans Dorsch beim Tourismustag Niedersachsen in seinem Impulsvortrag ziemlich deutliche Worte an die Tourismuswirtschaft gerichtet:

Wir brauchen nicht jede App im Appstore – aber wenn Sie eine machen, dann richtig!

Hochaktuelles Thema in vielen touristischen Unternehmen – doch häufig wird die Eingangsfrage wohl pauschal mit “Ja” beantwortet, weil es Fördergelder gibt oder weil man innovativ sein will,… Mobile Marketing von Destinationen ist jedoch viel mehr, als “irgendeine App, die man jetzt halt so hat”.

In erster Linie bezieht sich dieses “Hosentaschenmarketing” auf die Aktivitäten vor Ort; alles was Google (Places) betrifft ist hier Prio 1. M.a.W.: es geht beim Thema mobile in erster Linie um Daten. Diese müssen verfügbar sein – und zwar dort, wo sich der Gast bewegt. In 95% der Fälle wird das nicht die eigene App sein, sondern vielmehr Maps, Tipps & Co – immer in Bezug auf die aktuelle und individuelle Nutzersituation und den dazu entsprechenden Plattformen/Anbietern.

Prio 2 ist dann die mobile Website. Und zwar beispielsweise mit Funktionalitäten, dass der Gast, der sich im Vorfeld schon bei der Urlaubsbuchung seine persönlichen Vorlieben für das Zielgebiet zusammengetragen hat (Restaurantempfehlungen, etc.), diese auf seinem mobilen Endgerät schnell und unkompliziert wiederfindet. Will heißen, dass eine reine mobile Website auch nicht reicht; sondern vielmehr eine Site, die auf Basis eines integrierten Ansatzes alle “Stationen” des Reisenden – von der Inspiration bis zur Weitergabe – abdeckt:


Erst dann kommt (je nach Anforderung) die App ins Spiel. Diese jedoch nur, wenn sie mehr kann, als das was es eh schon gibt. Gefühlte 98% der touristischen Apps können im Moment nicht mehr als Google Maps. Von daher: Wozu das ganze? Weil es vielleicht Fördermittel gab/gibt? Würden Sie auch mit dem Kopf voran aus dem 37. Stock springen, wenn es dafür Fördergelder gibt? Wohl kaum… Also: Wenn App, dann richtig – und zwar mit Mehrwerten, gelernten Strukturen; vielleicht mit Game-Mechaniken, jedenfalls Apps die Spaß machen und die ich gerne downloade und nutze. Dabei spielt es noch nicht mal eine Rolle, ob diese was kostet oder nicht – wenn sie sich “gut anfühlt”, hipp ist oder “jeder sie hat”, dann kauft sie der gemeine Hostentaschencomputer-Nutzer auch.

Kein Gast wird weniger buchen/kaufen, weil ein Hotel oder eine Destination keine App hat. Jedoch muss jedes touristische Unternehmen irgendwann verkaufen – da brauchen wir uns nichts vormachen. Und wenn das durch die App verstärkt wird und der Gast gleichzzeitig positive Erlebnisse erhält, die er wiederum gerne in seinen Netzwerken teilt, dann wurde alles richtig gemacht. Mobile Marketing bedeutet eben viel mehr als ne App zu haben – Hosentaschenmarketing heißt nämlich “ständig beim Gast zu sein”. Aus diesem Gedankengang heraus eine App zu machen kann dann auch erfolgreich sein – jedoch nur, wenn das Ziel und die strategische Ausrichtung klar gesetzt wird: Soll dieser “kleine Helfer” in erster Linie verkaufen, informieren oder kommunizieren? Alles kann irgendwann verkaufen, doch die strategische Ausrichtung muss deutlich sein, dann kann auch das Ergebnis stimmen…

PS: Fördergelder allein reichen meist gar nicht aus, um eine wirklich brauchbare App zu machen – entweder Sie geben noch einen guten Zuschuss obendrauf, oder Sie verzichten lieber und setzen Ihre Ressourcen an anderer Stelle sinnvoller ein.

PPS: Wenn Sie sich wirklich und bewusst für eine App entscheiden, eine “Big Idea” haben und Ihr Hosentaschenhelfer mehr kann als Google (Maps), dann gibt’s drüben bei KMTO ein paar gute Tipps zum Vorgehen bei der strategischen Konzeption.

PPPS: sicher auch ein Thema beim DestinationCamp am Wochenende ;)

Facebook Connect

Was denken Sie?

Name
Email
Kommentar
4 + 6 =