Ein Beispiel für die Digitalisierung des Tourismus


“Near Field Communication” (NFC) wird ganz wichtig im Tourismus. Near was? Ist die Hotelrezeption nicht schon sehr “near”? Ein Begriff, der in der Fläche kaum bekannt ist, soll also sehr wichtig werden, sagt Tnooz, vielleicht DAS internationale Tourismusblog.


Near Field im Tourismus
Near Field im Tourismus

Nun wissen wir nicht, wann das wichtig wird, aber ganz sicher kommt das Thema schneller, als sich der Begriff begreifbar macht. Wenn die Millionen Smartphonebesitzer Ihren Supermarktbesuch mit Klick bezahlen, erwarten sie das überall.
Nun ist es sicher nicht so schwer, sich dann so ein Gerät hinzustellen, mit dem das geht. Aber ist es das, was dann erwartet wird? Geht es nur ums Bezahlen?

Stephen Vanderpool von NerdWallet stellt das Beispiel Flughafen vor. NFC dient nicht zum Buchen des Tickets, aber sonst für fast alles. Checkin und Gepäckaufgabe werden drahtlos über das Smartphone abgewickelt. Der Zutritt zur Lounge, sowie alle Käufe an Board gehen ebenso spürlos und luftig. Der weitere Transport in die Stadt wird vorab zugekauft, über NFC auf dem Smartphone gespeichert und mit Infos nach der Ankunft gelenkt und organisiert. Das Ticket ist dabei. Kein Fummeln mehr und suchen. Alles geht ohne Papier mit dem Smartphone – und selbst ohne spezielle Apps zu bedienen. Einfach und bequem.

Wenn man bedenkt, daß Bequemlichkeit die wichtigste Wirtschaftskraft ist, kann man sich vorstellen, wie schnell sich das durchsetzt, wenn es erstmal da ist. Derzeit testet z.B. New Jersey NFC zusammen mit Google anhand des kompletten Transportsystems: Bahn, Bus, Flugzeug.

Aber warum schreibe ich das hier? Damit sich alle mit NFC beschäftigen? Nein. Schauen Sie besser auf den Rest. Wenn sie alle diese Services, die NFC bietet, auch haben wollen – und das wird sicher so Standard und wichtig wie Wellnesskeller – dann brauchen Sie funktionierende Daten und Prozesse.
NFC ist so ein schönes Beispiel, weil es so einfach ist. Es macht deutlich, wie schnell sich grad noch unbekannte digitale Tools durchsetzen können. Aber dafür brauche ich digitale Prozesse.

Es geht einfach nicht um schicke Facebook- Aktionen. Es geht um die umfassende Digitalisierung unseres Lebens. Wenn Sie heute Hotel sind und “Service” denken, dann denken Sie bitte “digitaler Service”. Wenn Sie Destination sind und “Produkt” denken, denken Sie bitte “Individuelles Produkt” (ja, dafür brauche ich auch digitale Daten und Prozesse). Und wenn sie Veranstalter sind, dann denken Sie bitte beides (individuelle digitale Services und Produkte).

Das führt dann dazu, daß sie alles haben, was Sie brauchen, wenn NFC kommt. Oder irgendeine andere Technologie, deren Namen wir noch nicht kennen. Wenn die Strategie professionell ist, baut alles aufeinander auf.

Nur ein klitzekleines Beispiel: Twitter ist jetzt Teil des Applebetriebssystems. Nach dem Checkin im Hotel über NFC, kann der Gast sofort einen Tweet absetzen mit Lokalisierung und erster Einschätzung des Hotels – automatisch. Dann wissen seine Bekannten wo er ist und wie es ihm geht – und wie Ihr Hotel heisst. Das Hotel wiederum kann den Gast auf sein Lieblingsessen im Restaurant hinweisen und einen Coupon für die Massage speichern. (Das sie das Lieblingsessen da haben, liegt natürlich auch an den digitalen Daten und Prozessen. Genau wie das Wissen, daß Coupons wg. der Auslastung der Masseuse gerade wichtig sind.) Alles automatisch. Einfach so. Wenn die Prozesse installiert sind.

Und jetzt? Wie Kabarettist Fritz Eckenga so schön sagt : ”Da kannst Du in der nächsten Halbzeitpause mal ‘ne Viertelstunde drüber nachdenken. Viertelstunde nachdenken? Das schaffst Du schon. Glück auf!”

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von Eric Horster
28.10.2011

Auf Anregung von Michael stelle ich hier kurz ein paar Beispiele vor, da ich gerade einen Wissenschaftsartikel zum Thema NFC im Tourismus schreibe:

Clarion Hotel (Stockholm): Dieses Pilotprojekt macht den Check-In überflüssig. Der Nutzer kann online vor Besuch des Hotels einchecken. Er bekommt dann die Möglichkeit (via App und ID) sein Smartphone als Schlüssel zu nutzen. Es ist geplant den Service auf Navigation im Hotel, interaktive Menükarten und Bezahlung (Bar, etc.) auszuweiten.

EpicMix: Im kanadischen Ski Resort Vail wird NFC mit dem Fokus Social eingesetzt. Dabei ist der NFC Chip auf dem Skipass. Also nicht im Handy. Allerdings werden die Bewegungen des Skifahrers getrackt und an eine App gesendet, die dann vom Phone wieder abgerufen wird. So kann man immer sehen, wo sich die eigenen Freunde befinden (Freundesidentifizierung via FB Connect). Zusätzlich kann man (ähnlich 4sq) Medallien für Pistenkilometer bekommen.

Nizza: Ein Großprojekt hat Nizza und jetzt auch Strasbourg gestartet. Hier ist Navigation und Bezahlung von ÖPNV ebenso möglich, wie Bezahlung in Stores. Zusätzlich gibt es eine CityTour via SmartPoster, etc.

Neben dem von Michael gezeigten Beispiel von New Jersey sind aus touristischer Sicht in naher Zukunft ganz sicher die Trials von Google in Las Vegas, Austin, etc. höchst relevant. Hier werden Tags von Google bereitgestellt. Diese funktionieren sowohl auf NFC als auch via Barcode. Dadurch wird eine direkte Verbindung zu Google Places möglich. Damit kommen wir dem Outernet ein ganzes Stück näher.

Ich werde die Beispiele in den kommenden Wochen bei usabilityblog vorstellen.

Vielen Dank Michael, für die Einschätzung. Ich bin übrigens noch auf der Suche nach NFC Möglichkeiten für Reisemittler. Welche Potenziale seht Ihr in der Branche oder kennt Ihr Beispiele?

von Benjamin Buhl
01.11.2011

Danke Eric, für Deine tollen Beispiele! Ich möchte noch eins ergänzen: Touch&Travel der Deutschen Bahn – und das wirklich gut und alltagstäglich umgesetzt:

von Benjamin Buhl
06.11.2011

hab auch nochmal ne Ergänzung: Bluetooth flight check-in and boarding bei Sabre – http://www.tnooz.com/2011/11/01/mobile/bluetooth-flight-check-in-and-boarding-sabre-builds-a-prototype/

von Benjamin Buhl
12.11.2011

und noch eins – wird ne ganze Sammlung hier ;) http://www.zeit.de/auto/2011-11/telematik-auto-internet